Pharmakognosie von Mimosa tenuiflora (syn. Mimosa hostilis))

 

Die „Pharmakognosie“ von Mimosa tenuiflora (syn. Mimosa hostilis)

Im Inneren des Mimosa tenuiflora-Baums: Einblick in seine chemischen Verbindungen

Inhalt

1. Was ist Pharmakognosie?

2. Welches sind die chemischen Substanzen, die in Mimosa tenuiflora gefunden werden?

2.1 Saponine

2.1.1 Campesterol-, Stigmasterol- und Beta-Sitoserol-3-0-beta-D-Glucopyranosyl (Steroidale Saponine)

2.1.2 Mimonoside A, B & C und Lupeol (Triterpenoide Saponine)

2.2 Flavonoide

2.3 Indol-Alkaloide

2.3.1 DMT (N,N-Dimethyltryptamin)

2.3.2 Serotonin (5-HT)

2.3.3 Yuremamin

 

Was ist Pharmakognosie?

Pharmakognosie ist ein ausgefallenes Wort, das von dem deutschen Botaniker Seydler1geprägt wurde, um das Studium der chemischen Verbindungen zu beschreiben, die aus natürlichen Quellen gewonnen werden können. Sie konzentriert sich darauf, wie diese chemischen Substanzen in der Medizin eingesetzt werden können. Es handelt sich um eine Disziplin, deren Hauptprinzipien wohl so alt sind wie die Zivilisation selbst, da die Verwendung und das Studium natürlich gewonnener chemischer Substanzen in vielen alten Kulturen zu finden ist.

Die Pharmakognosie kann als die wissenschaftliche und chemische Entwicklung der „Ethnobotanik“ betrachtet werden. Ethnobotanik ist das Studium der traditionellen Medizin, die von Schamanen und/oder Dorfärzten verschiedener ethnischer und indigener Gruppen angewandt wird2; Diese ethnischen Gruppen versuchten oft, verschiedene Extrakte aus Pflanzen und Tieren zu testen, um ihre wohltuende oder oft schädliche Wirkung auf den menschlichen Körper zu entdecken. Im Gegensatz zu den Schamanen setzt die heutige Pharmakognosie jedoch eine Vielzahl von technologischen Geräten und fortschrittlichen Methoden ein, um die in Pflanzen und Tieren gefundenen chemischen Substanzen zu extrahieren und zu identifizieren. Sobald eine Substanz extrahiert ist, ist der nächste Schritt der Pharmakognosie die Identifizierung von deren potenzieller medizinischer Verwendung. Dieser Teil der Studie wird oft im Labor mittels Zellkulturen oder toxikologischen Tierversuchen durchgeführt.

 

Welches sind die chemischen Substanzen, die in Mimosa tenuiflora gefunden werden?

Mit dem Tepezcohuite-Baum, wie Mimosa tenuiflora in Mexiko allgemein genannt wird, sind verschiedene Wirkungen verbunden. Die Rinde des Tepezcohuite-Baums wurde in verschiedenen Rezepten der traditionellen Medizin verwendet und ist ein üblicher Bestandteil von Hautpflegeprodukten. Wenn wir die Pharmakognosie von Mimosa tenuiflora vollständig erfassen, können wir feststellen, welche Verbindungen medizinische oder kosmetisch nützliche Eigenschaften haben. Dies wiederum würde es ermöglichen, diese Schlüsselinhaltsstoffe zu isolieren und in Produkte einzubetten, so dass die Verbraucher maximal von den Wundern des Mimosa tenuiflora-Baums profitieren können. Es folgt eine kurze Beschreibung einiger der in Mimosa tenuiflora gefundenen Substanzen und ihrer bekannten Wirkungen oder potenziellen Anwendungen. Dies ist keineswegs eine erschöpfende Liste, und wir sind bestrebt, diese Seite zu verbessern und zu aktualisieren, sobald wir auf neue Informationen stoßen.

 

Infographic of Mimosa tenuiflora (syn. Mimosa hostilis))

 

Saponine

Saponine sind eine Gruppe von Molekülen, die häufig in Pflanzen vorkommen. Sie haben strukturelle Ähnlichkeiten mit Glykosiden (Zucker), unterscheiden sich aber stark in ihren pharmakologischen Eigenschaften. Diese Eigenschaften können antibakteriell, antimykotisch, entzündungshemmend, antiparasitär, antiviral und antikanzerogen sein3. Infolgedessen werden Saponine häufig zur Herstellung von Seifen und Reinigungsmitteln verwendet, werden aber auch von der kosmetischen und pharmazeutischen Industrie aufgrund ihrer oben erwähnten potenziell nützlichen Eigenschaften verwendet und untersucht. Interessanterweise verdankt die traditionelle chinesische Medizin, die sich auf die Verwendung natürlich vorkommender Pflanzenstoffe und -derivate konzentriert, möglicherweise den darin enthaltenen Saponinen viele ihrer biologischen Wirkungen4.

Saponine werden grob in zwei Untergruppen unterteilt: die steroidalen Saponine und die triterpenoiden Saponine. Bisher wurden drei verschiedene steroidale Saponine und vier Triterpensaponine aus Mimosa tenuiflora extrahiert.

 

Campesterol-, Stigmasterol- und Beta-Sitoserol-3-0-beta-D-Glucopyranosyl (Steroidale Saponine)

Diese drei verschiedenen steroidalen Saponine wurden 1993 aus der Baumrinde von Mimosa tenuiflora extrahiert5. Nach unserem besten Wissen ist die genaue pharmakologische Wirkung eines dieser steroidalen Saponine noch nicht erforscht worden. Frühere Arbeiten über ähnliche (aber nicht identische) Campesterol- und Stigmasterol-Verbindungen haben jedoch potenzielle angiogene und antikarzinogene Eigenschaften (Campesterol6) und antiosteoarthritische Eigenschaften (Stigmasterol7) gezeigt. Wir konnten jedoch keine Informationen über die potenziellen pharmakologischen Eigenschaften von Beta-Sitoserol-3-O-beta-Glucopyrnosyl finden.

 

Campesterol

 

Mimonoside A, B & C und Lupeol (Triterpenoide Saponine)

Die Mimonosidsaponine werden als solche bezeichnet, seit sie erstmals im Mimosa tenuiflora-Baum entdeckt wurden. Es wurde gezeigt, dass sie immunmodulierende Eigenschaften sowie die Fähigkeit haben, die Proliferation von kultivierten Mauszellen zu induzieren5 8. Obwohl spekuliert wird, dass diese Saponine bei den hautheilenden Eigenschaften des Mimosa tenuiflora-Extrakts eine Rolle spielen, muss dies wissenschaftlich noch bestätigt werden9.
Lupeol, ein weiteres triterpenoides Saponin, wurde ebenfalls aus Mimosa tenuiflora isoliert. Lupeol ist im Vergleich zu seinen anderen triterpenoiden Pendants stärker erforscht worden und es hat sich gezeigt, dass es starke entzündungshemmende und antikarzinogene Eigenschaften hat 10.

 

Flavonoide

Flavonoide sind eine große Gruppe pflanzlicher Verbindungen, von denen bekannt ist, dass sie starke antioxidative Eigenschaften haben. Es existieren bis zu 6 verschiedene Arten von Flavonoiden, die alle unterschiedliche strukturelle und pharmakologische Eigenschaften habenv; Die Anthocyanine (auch als Tannine bekannt) sind eine bekannte Gruppe von Flavonoiden, die bemerkenswerte antioxidative Eigenschaften haben. Bestimmte Arten von Flavonoiden sind nicht nur gute Antioxidantien, sondern haben nachweislich auch starke phytotoxische Eigenschaften (Chalkone) oder sogar entzündungshemmende oder antiprotozoische Eigenschaften12.

Aus der Mimosa tenuiflora-Pflanze wurden bereits mehr als ein Dutzend verschiedener Flavonoidtypen extrahiert. Allerdings ist trotz des großen Potenzials noch nicht viel über deren pharmakologische Wirkung bekannt.

Einige der Flavonoide, die aus der Mimosa tenuiflora-Pflanze extrahiert wurden, sind: Tenuiflorin A, B & C, Kukulkan A & B und Santina - um nur einige zu nennen12.

 

Flavonoide

 

Indol-Alkaloide

Indol-Alkaloids  haben aufgrund ihrer psychoaktiven Wirkung große Aufmerksamkeit erregt. Diese Chemikalien werden in Pflanzen und Tieren durch Umwandlung der Aminosäure Tryptophan  gebildet. Serotonin ist ein Paradebeispiel für ein Indol-Alkaloid, das beim Menschen produziert wird und im Gehirn als Neuromodulator dient. Interessanterweise kann Serotonin auch aus Mimosa tenuiflora extrahiert werden.

 

Indol-Alkaloide

 

DMT (N,N-Dimethyltryptamin)

DMT wird hauptsächlich aus der Wurzelrinde von Mimosa tenuiflora gewonnen. Diese Verbindung hat wegen ihrer starken halluzinogenen Wirkung großes Interesse bei Wissenschaftlern und Freizeitanwendern gefunden. Es ist auch der Wirkstoff in verschiedenen schamanistischen und religiösen Ritualen13. Studien haben gezeigt, dass DMT, abgesehen von den akuten kardiovaskulären Wirkungen (erhöhte Herzfrequenz und Blutdruck14), ein geringes Toxizitätsrisiko birgt15 16. Nichtsdestotrotz ist es ein starker Wirkstoff, der intensive Gefühle von Angst, Paranoia und Furcht hervorrufen kann; all dies kann beim Anwender sofortige und lang anhaltende psychologische Auswirkungen haben15.

Obwohl DMT in geringen Konzentrationen im menschlichen Hirngewebe gefunden werden kann, ist seine genaue Rolle bei der Gehirnfunktion noch immer kaum verstanden. Es wird vermutet, dass es in der Lunge und den Nebennieren statt im Gehirn produziert wird17. Wenn es jedoch das Gehirn erreicht, ist bekannt, dass es an eine Vielzahl von Gehirnrezeptoren wie Serotonin-, Dopamin-, Acetylcholin- und Glutamatrezeptoren bindet. Alle diese Rezeptoren spielen entweder im Verhalten, in der Emotion und/oder in verschiedenen Bewusstseinszuständen eine wichtige Rolle.

Leider ist dieser Wirkstoff noch nicht ausreichend erforscht worden, um daraus schließen zu können, ob er irgendeinen vorteilhaften klinischen Verwendungszweck haben könnte. Künftige Forschungsarbeiten könnten Antworten auf Spekulationen liefern, ob DMT zur Behandlung von Drogenmissbrauch oder angstbedingten Störungen eingesetzt werden könnte15.

 

Serotonin (5-HT)

Serotonin kann ebenfalls aus der Wurzelrinde von Mimosa tenuiflora extrahiert werden. Im Gegensatz zu DMT ist die Rolle von Serotonin in der Hirnphysiologie wesentlich besser bekannt. Dieser Neurotransmitter befindet sich im Hirnstamm  und spielt eine wichtige Rolle im Schlaf- und Wachzustand, bei der kognitiven Flexibilität sowie bei der Neuromodulation von positiven Stimmungen und Emotionen18 19. Darüber hinaus geht die Wirkung dieses Moleküls auf den menschlichen Körper über das Gehirn hinaus, da es auch auf das Herz-Kreislauf- und Verdauungssystem einwirken kann9.

Die wahrscheinlich am besten untersuchte Wirkung von Serotonin ist seine Rolle bei Depressionen, da einige der wirksamsten Antidepressiva wohl Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SERTs) sind. Grob gesagt sind SERTs Verbindungen, die den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen, um die Stimmung zu beeinflussen. Es ist möglich, dass die Extraktion von Serotonin aus Mimosa tenuiflora in der Zukunft für wissenschaftliche und Forschungszwecke genutzt werden kann.

 

Serotonin (5-HT)

 

Yuremamin

Das Phytoindol Yuremamin (abgeleitet von dem einheimischen Wort "Yurema" -auch Jurema geschrieben- für den Mimosa tenuiflora-Baum in Brasilien20) wurde in der Tat zum ersten Mal etwa im Jahr 2005 entdeckt und aus der Stammrinde unserer geliebten Mimosa tenuiflora extrahiert, was es zu einer der neuesten Verbindungen macht, die im Mimosa tenuiflora-Baum gefunden wurden. So neu, dass 2015 neue Forschungsergebnisse ans Licht kamen, die darauf hindeuteten, dass Yuremamin vielleicht doch kein Indol-Alkaloid, sondern stattdessen ein Flavo-Alkaloid ist21.
Leider gibt es immer noch keine Studien, die sich mit den pharmakologischen Wirkungen von Yuremamin befassen. Wir hoffen, dass sowohl akademische Forscher als auch pharmazeutische Unternehmen bald beschließen werden, dieses vielversprechende Alkaloid zu erforschen. Eine spekulierte Eigenschaft ist, dass es als MAO (Monoaminoxidase)-Inhibitor wirkt20.

 

Yuremamin

Bei einem so reichhaltigen chemischen Profil fällt es uns leicht, uns für die neuen Anwendungen zu begeistern, die in Zukunft für Mimosa tenuiflora entdeckt werden könnten. Die traditionellen Verwendungen, die für diesen Baum auf dem amerikanischen Kontinent bekannt sind, sind so vielfältig wie die Namen, die er erhalten hat. Wenn Sie mehr über die verschiedenen Arten der Nutzung dieses erstaunlichen Baumes durch indigene und rurale Bevölkerungsgruppen erfahren möchten, dann lesen Sie unbedingt unseren Artikel über die traditionellen Verwendungsmöglichkeiten von Mimosa tenuiflora.


Referenzen

1. Orhan, I. E. Pharmacognosy: Science of natural products in drug discovery. BioImpacts 4, 109–110 (2014).

2. Agra, M. D. F., Silva, K. N., Basílio, I. J. L. D., De Freitas, P. F. & Barbosa-Filho, J. M. Survey of medicinal plants used in the region Northeast of Brazil. Brazilian Journal of Pharmacognosy 18, 472–508 (2008).

3. Sparg, S. G., Light, M. E. & Van Staden, J. Biological activities and distribution of plant saponins. Journal of Ethnopharmacology 94, 219–243 (2004).

4. Liu, J. & Henkel, T. Traditional Chinese Medicine (TCM): Are Polyphenols and Saponins the Key Ingredients Triggering Biological Activities? Curr. Med. Chem. 9, 1483–1485 (2012).

5. Anton, R., Jiang, Y., Weniger, B., Beck, J. P. & Rivier, L. Pharmacognosy of Mimosa tenuiflora (Willd.) Poiret. J. Ethnopharmacol. 38, 145–152 (1993).

6. Choi, J.-M. et al. Identification of campesterol from Chrysanthemum coronarium L. and its antiangiogenic activities. Phyther. Res. 21, 954–959 (2007).

7. Gabay, O. et al. Stigmasterol: a phytosterol with potential anti-osteoarthritic properties. Osteoarthr. Cartil. 18, 106–116 (2010).

8. Jiang, Y. et al. Triterpenoid glycosides from the bark of Mimosa tenuiflora. Phytochemistry 30, 2357–2360 (1991).

9. Rivera-Arce, E. et al. Pharmacognostical studies of the plant drug Mimosae tenuiflorae cortex. J. Ethnopharmacol. 113, 400–408 (2007).

10. Saleem, M. Lupeol, a novel anti-inflammatory and anti-cancer dietary triterpene. Cancer Letters 285, 109–115 (2009).

11. Panche, A. N., Diwan, A. D. & Chandra, S. R. Flavonoids: An overview. Journal of Nutritional Science 5, 1–15 (2016).

12. Bautista, E., Calzada, F., Ortega, A. & Yépez-Mulia, L. Antiprotozoal Activity of Flavonoids Isolated from Mimosa tenuiflora (Fabaceae-Mimosoideae). Article. Chem. Soc. 55, (2011).

13. Pochettino, M. L., Cortella, A. R. & Ruiz, M. Hallucinogenic snuff from northwestern Argentina: Microscopical Identification of Anadenanthera colubrina var. cebil (Fabaceae) in powdered archaeological material. Econ. Bot. 53, 127–132 (1999).

14. Strassman, R. J. & Qualls, C. R. Dose-Response Study of N, N-Dimethyltryptamine in Humans: I. Neuroendocrine, Autonomic, and Cardiovascular Effects. Arch. Gen. Psychiatry 51, 85–97 (1994).

15. Carbonaro, T. M. & Gatch, M. B. Neuropharmacology of N,N-dimethyltryptamine. Brain Research Bulletin 126, 74–88 (2016).

16. Barbosa, P. C. R., Mizumoto, S., Bogenschutz, M. P. & Strassman, R. J. Health status of ayahuasca users. Drug Test. Anal. 4, 601–609 (2012).

17. Frecska, E., Szabo, A., Winkelman, M. J., Luna, L. E. & McKenna, D. J. A possibly sigma-1 receptor mediated role of dimethyltryptamine in tissue protection, regeneration, and immunity. J. Neural Transm. 120, 1295–1303 (2013).

18. Mohammad-Zadeh, L. F., Moses, L. & Gwaltney-Brant, S. M. Serotonin: A review. Journal of Veterinary Pharmacology and Therapeutics 31, 187–199 (2008).

19. Berger, M., Gray, J. A. & Roth, B. L. The Expanded Biology of Serotonin. Annu. Rev. Med. 60, 355–366 (2009).

20. Vepsäläinen, J. J., Auriola, S., Tukiainen, M., Ropponen, N. & Callaway, J. C. Isolation and characterization of yuremamine, a new phytoindole. Planta Med. 71, 1053–1057 (2005).

21. Calvert, M. B. & Sperry, J. Bioinspired total synthesis and structural revision of yuremamine, an alkaloid from the entheogenic plant Mimosa tenuiflora. Chem. Commun. 51, 6202–6205 (2015).

© 2017-2020 The Mimosa Company. Alle Rechte vorbehalten. | The Mimosa Company is Teil von Conexión Mexicana B.V.